News Release

Schlagzeile CD2AP und Alzheimer-Krankheit: Ein zentraler Regulator der Neurodegeneration und potenzielles therapeutisches Ziel

Neue Forschungsübersicht enthüllt die Rolle von CD2AP im Amyloid-Stoffwechsel, in der Tau-Pathologie, der synaptischen Funktion und Neuroinflammation und bietet neue Erkenntnisse für die Alzheimer-Behandlung.

Peer-Reviewed Publication

Genomic Press

image: 

Impact of CD2AP deficiency in microglia in Alzheimer’s disease (AD). Microglial CD2AP levels are increased in AD, leading to elevated CSF1R signaling and C1q expression and cytoskeleton remodeling in microglia, resulting in the formation of disease-associated microglia (DAM) and elevated microglial phagocytosis of synapses. CD2AP deficiency in microglia attenuated these changes to protect against AD.

view more 

Credit: Yun-wu Zhang

XIAMEN, China, 18. März 2025 – Eine bahnbrechende Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Brain Medicine (Genomic Press, New York) untersucht, wie das CD2-assoziierte Protein (CD2AP) zur Alzheimer-Krankheit (AD) beiträgt, einer der verheerendsten neurodegenerativen Erkrankungen, von der weltweit Millionen Menschen betroffen sind. CD2AP, ursprünglich bekannt für seine Rolle im zellulären Transport und in der Zytoskelettarchitektur, hat sich mittlerweile als entscheidender Faktor in der Pathologie der Alzheimer-Krankheit herausgestellt.

Genomweite Assoziationsstudien (GWAS) haben CD2AP als wichtigen genetischen Risikofaktor für die spätmanifeste Alzheimer-Krankheit (LOAD) identifiziert, wobei zunehmend Belege für dessen Verbindung zum Amyloid-Stoffwechsel, zur Tau-Pathologie, zur synaptischen Integrität und zu Neuroinflammation vorliegen.

"CD2AP ist ein faszinierendes Molekül, da es an der Schnittstelle mehrerer Signalwege wirkt, die bei der Alzheimer-Krankheit eine Rolle spielen", erklärte Professor Yun-wu Zhang, korrespondierender Autor der Übersichtsarbeit. "Durch das Verständnis seiner präzisen Funktion in verschiedenen Gehirnzellen könnten wir neue Behandlungsstrategien für diese komplexe Erkrankung entwickeln."

Die Rolle von CD2AP im Amyloid-Beta-Stoffwechsel

Die Akkumulation von Aβ und die Plaquebildung stehen im Zentrum der AD-Pathogenese. Es wurde nachgewiesen, dass CD2AP den Aβ-Stoffwechsel durch Kontrolle des Transports und Abbaus des Amyloid-Vorläuferproteins (APP) reguliert. Studien zeigen, dass ein CD2AP-Mangel zu einer erhöhten Aβ-Produktion und vermindertem Abbau führt, was die Plaquebildung beschleunigt.

"CD2AP könnte eine doppelte Rolle in der Amyloid-Regulation spielen", erläuterte Professor Zhang. "Einerseits begrenzt es die übermäßige Aβ-Produktion, andererseits hilft es bei der Entfernung toxischer Amyloid-Aggregate. Störungen in einer dieser Funktionen können das Gleichgewicht in Richtung Neurodegeneration verschieben."

CD2AP und synaptische Integrität: Ein zweischneidiges Schwert

Der Verlust von Synapsen ist ein starker Prädiktor für den kognitiven Verfall bei AD, und CD2AP ist entscheidend für die Aufrechterhaltung der synaptischen Struktur und Funktion. Die Auswirkungen des Proteins variieren jedoch je nach Zelltyp. In Neuronen ist CD2AP essentiell für die Bildung und Stabilität dendritischer Dornfortsätze, während in Mikroglia eine übermäßige CD2AP-Aktivität das pathologische Beschneiden von Synapsen fördern kann. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass der Verlust von CD2AP in Neuronen zu einer verringerten Dornendichte und beeinträchtigter synaptischer Plastizität führt – Schlüsselmechanismen, die dem Gedächtnisverlust bei AD zugrunde liegen.

"Neuronen und Mikroglia scheinen gegensätzliche Anforderungen an CD2AP zu haben", sagte Herr Yong Wang, Mitautor der Übersicht. "In Neuronen wirkt CD2AP schützend, aber in Mikroglia könnte zu viel CD2AP den Synapsenverlust tatsächlich verschlimmern. Dies macht es zu einem anspruchsvollen, aber spannenden therapeutischen Ziel."

Neuroinflammation und CD2AP: Die Mikroglia-Verbindung

Die Aktivierung von Mikroglia ist ein Kennzeichen der Alzheimer-Krankheit, und CD2AP spielt eine Schlüsselrolle bei der Modulation der Mikroglia-Reaktion auf Amyloid-Plaques. Die Übersicht hebt hervor, dass CD2AP-defiziente Mikroglia eine verminderte Phagozytose aufweisen, was zu einer erhöhten Amyloid-Belastung führt. Eine übermäßige CD2AP-Aktivität in Mikroglia ist jedoch mit verstärktem synaptischen Beschneiden und Entzündungsprozessen verbunden, was die Neurodegeneration potenziell verschlimmern kann.

"Die CD2AP-Spiegel in Mikroglia müssen sorgfältig ausbalanciert werden", erklärte Herr Wang. "Zu wenig CD2AP führt zu ineffizienter Amyloid-Beseitigung, während zu viel zur Neuroinflammation und zum Synapsenverlust beitragen kann."

CD2AP und Tau-Pathologie

Über seine Rolle in der Amyloid-Regulation hinaus wurde CD2AP mit Tau-vermittelter Neurotoxizität in Verbindung gebracht. Tau-Verklumpungen, ein weiteres charakteristisches Merkmal der Alzheimer-Krankheit, stören die neuronale Funktion und tragen zur kognitiven Beeinträchtigung bei. Studien zeigen, dass bestimmte CD2AP-Varianten mit erhöhter Tau-Phosphorylierung assoziiert sind, was den neuronalen Schaden verschlimmert.

"Dies ist ein Bereich, der weiterer Untersuchungen bedarf", fügte Herr Wang hinzu. "Das Verständnis, wie CD2AP die Tau-Pathologie beeinflusst, könnte ein fehlendes Bindeglied zwischen Amyloid- und Tau-Dysfunktion bei der Alzheimer-Krankheit darstellen."

Implikationen für zukünftige Alzheimer-Behandlungen

Angesichts seiner weitreichenden Effekte bietet CD2AP eine einzigartige Möglichkeit für therapeutische Interventionen. Seine zelltypspezifischen Rollen erschweren jedoch die Medikamentenentwicklung. Forscher untersuchen nun, ob die gezielte Beeinflussung von CD2AP, die den neuronalen Schutz verbessert und gleichzeitig die Überaktivierung von Mikroglia begrenzt, eine tragfähige Behandlungsstrategie sein könnte.

"Wir beginnen gerade erst zu verstehen, wie CD2AP in verschiedenen Zelltypen funktioniert", sagte Professor Zhang. "Unser Ziel ist es, Präzisionstherapien zu entwickeln, die die CD2AP-Aktivität so modulieren können, dass Patienten davon profitieren, ohne unbeabsichtigte Folgen zu verursachen."

Eine zentrale Frage der laufenden Forschung ist, ob die CD2AP-Modulation als neuartige therapeutische Strategie für AD dienen könnte. Hierbei stellt sich insbesondere die Herausforderung, wie Wissenschaftler CD2AP selektiv in Neuronen gegenüber Mikroglia ansteuern können. Auch die Rolle von CD2AP im Frühstadium der Alzheimer-Krankheit und sein potenzieller Nutzen als Biomarker für den Krankheitsverlauf sind vielversprechende Forschungsrichtungen, die neue Wege für diagnostische und therapeutische Ansätze eröffnen könnten.

Die eingeladene Übersichtsarbeit, "CD2AP in der Alzheimer-Krankheit: Schlüsselmechanismen und therapeutisches Potenzial", erscheint online am 18. März 2025 in Brain Medicine (Genomic Press) und ist frei zugänglich unter https://doi.org/10.61373/bm025i.0026.

Über Brain Medicine

Brain Medicine (ISSN: 2997-2639) ist eine hochwertige medizinische Fachzeitschrift, die von Genomic Press, New York, herausgegeben wird. Brain Medicine ist eine neue Plattform für den interdisziplinären Weg von der Innovation in der grundlegenden Neurowissenschaft zu translationalen Initiativen in der Gehirnmedizin. Der Umfang der Zeitschrift umfasst die zugrundeliegende Wissenschaft, Ursachen, Ergebnisse, Behandlungen und gesellschaftliche Auswirkungen von Gehirnerkrankungen über alle klinischen Disziplinen und deren Schnittstellen hinweg.


Disclaimer: AAAS and EurekAlert! are not responsible for the accuracy of news releases posted to EurekAlert! by contributing institutions or for the use of any information through the EurekAlert system.