Die Forscher stießen auf das Erbgut des Krankheitserregers, als sie einen Zahn aus einem natürlich mumifizierten Schädel aus den Beständen des Nationalen Archäologiemuseums in La Paz untersuchten. Mithilfe einer Methode, mit der sich bislang unbekannte Genome aus vielen kurzen DNA-Fragmenten neu zusammensetzen lassen, rekonstruierten sie ein nahezu vollständiges, mehrere Jahrhunderte altes Genom von Streptococcus pyogenes.
Es weist deutliche Ähnlichkeiten mit heutigen Stämmen des weltweit verbreiteten Bakteriums auf, das eine Vielzahl von Erkrankungen auslösen kann – von harmlosen Rachenentzündungen bis hin zum lebensbedrohlichen toxischen Schocksyndrom. Trotz der großen medizinischen Bedeutung des Erregers – Scharlach war historisch eine der häufigsten Todesursachen bei Kindern – ist über seine Entwicklungsgeschichte bislang wenig bekannt. Dieses Ergebnis zeigt nun, dass der Keim bereits vor der europäischen Kolonialisierung in indigenen Bevölkerungsgruppen Südamerikas zirkulierte: Der junge Mann, von dem der Zahn stammt, lebte zwischen 1283 und 1383.
Die Studie war möglich dank eines Kooperationsabkommens zwischen Eurac Research und dem Bolivianischen Kulturministerium und ist in Nature Communications erschienen.